Bundestagswahl 2009 – Das TV Duell
Welch illustrer Abend. 90 Minuten – ein reguläres Fußballspiel mit verbalen Bällen welche größtenteils schwach geschlagen, manchmal sogar gepasst wurden, wie man meinen könnte. Die Inszenierung perfekt, die Argumente eher schwach. Fakten sind spärlich gesäht, eher geht es um eine Grundsatzdiskussion wobei eine Differenzierung zwanghaft versucht, aber kaum erreicht wird.
Die große Frage bleibt als Zuschauer: „Wo sind die Unterschiede?“. Es scheint nicht möglich, aus diesem Duell einen Unterschied der beiden Parteien aus zu machen. Als Vertreter der einen oder anderen Meinung lassen sich zwar die feinen Unterschiede ausmachen die einem das Gefühl geben, dass der eine das sagt, was man gut findet, und der jeweils andere einen Ton anschlägt, der gegen den Strich geht. Steinmeier lässt deutlich werden, dass er die liberalere Einstellung der Union zu wirtschaftlichen Fragen nicht unterstützt, Merkel macht klar, dass sie einen Mindestlohn für nicht Zielführend hält. Die Bundeskanzlerin schafft es aber, nicht ideologisch verbohrt zu klingen, lässt sie doch erfreulich moderate Töne anklingen und deutlich werden, dass sie sich den Eingriff in das Bankensystem durchaus vorstellen kann.
Die Profilierung Herrn Steinmeiers durch die regelmäßige Verwendung des Wörtchens „Ich“ war schon fast zu schön um wahr zu sein. Ein großer Spaß: „Ich möchte betonen…“, „Ich möchte klarstellen…“, „Ich habe durchgesetz…“ – was will man mehr um die Anklagen zu unverblümtem Populismus zu unterstützen? Arbeit für alle, Mindestlohn für die die es brauchen, statt Bildung damit wirklich gutes Geld verdient werden kann, keine Klassenunterschiede ( Herr Marx?) sowie Kumbayah und Mandalayzmalen. Das klingt schön, nicht? Zu vernachlässigen scheint unser Außenminister, dass Bildung die wirkliche Lösung für Deutschlands Zukunft ist – Frau Merkel wusste es schön auszudrücken, dass Bildung das wahre Gut unseres Landes ist.
Als Außenminister muss man ihm lassen, dass er in diesem Themenbereich wusste, wovon er sprach. Ein Abzug der Bundeswehr zur Zeit – dass das nicht geht muss jedem klar sein. Ein Gespräch über einen Plan mit Zielausrichtung scheint tatsächlich sinnvoll, denn wer keinen Plan hat, sollte direkt zu Hause bleiben. Das war einer der Punkte, bei welchem die Bundeskanzlerin vergleichsweise schlecht dar stand. Für mehr als die parteiprogrammatisch obligatorische Zusicherung, dass man sich auf keinen Termin für einen Abzug verständigen wolle, reichte es nicht, denn eigentlich waren sich die Teilnehmer einig.
Lassen sich Lehren aus diesem Duell ziehen, Wahlentscheidung ableiten? Man weiß es nicht genau. Von faktisch orientierten Argumenten her wird es schwer, eine Meinung abzuleiten für Wähler, die nicht sowieso voreingestellt waren, aus emphatischer Sicht gewinnt der mit den populistischeren Argumenten und der besseren Rethorik. Als Interessierter muss ich persönlich sagen, fand ich es nicht schlecht, mehr als die üblichen 25 Sekunden an Spot aus den Nachrichten von unserer „Führungselite“ zu hören und einen, wenn auch schwachen, Schlagabtausch begutachten zu können.