Who wants to live forever?
Im Anschluss an den Queen Titel ist eine Frage, die vielleicht schon unsere Generation einmal berühren wird die, ob wir vielleicht ewig leben werden. Was kann die Wissenschaft uns bieten? Gentechnologie ist vielleicht der way2go, vielleicht sind auch Klone eine Lösung um unser Fortbestehen zu garantieren. Und was wäre, wenn man den menschlichen Geist digital abstrahieren könnte? Abschließend gilt vielleicht noch zu klären, ob es überhaupt erstrebenswert wäre, ewig zu leben.
Die Gentechnik hat in den letzten 50 Jahren große Fortschritte gemacht. Inzwischen ist es möglich, mit Lasersequenzierern große Mengen von DNA in kurzer Zeit zu sequenzieren ihr so die Information in digitaler Form zu entnehmen. Was nützt das? Man kann feststellen, welcher Teil unserer DNA für welche „Features“ unseres Körpers verantwortlich ist – man betreibt quasi das größte Reverse Engineering Projekt der Welt. Die Möglichkeiten, die gegeben wären, wenn wir Loci (Genorte) ausfindig machten, die beispielsweise das Altern von Zellen vorprogrammieren. Eine Abwandlung dieser genetischen Information in unserem Genom könnte die „Haltbarkeit“ unseres Körpers deutlich herauf setzten – vielleicht.
Ein anderer denkbarer Ansatz ist der von Richard Morgan in seinem „Altered Carbon“ vorgetragene. Morgan erdenkt die Möglichkeit, humanoide Gedankenmuster auf externen Speichermedien unterbringen und Menschen klonen zu können. Das System basiert auf der selben Logik wie die Ersatzteilversorgung für ein Auto. Für jedes Modell gibt es Konstruktionspläne und somit die Möglichkeit, Bauteile nach zu bauen. Wenn es nicht mehr Sinnvoll ist, ein KFZ reparieren zu lassen, so kauft man ein Neues/Neueres.
Zunächst muss der Terminus „Mensch“ neu definiert werden. Von nun an wird dieser Begriff einen individuellen Geist, eine Seele, bezeichnen, statt einer physischen Funktionseinheit „Körper“. Dies ist möglich, da die Seele vom Körper extrahiert werden könnte und somit auch wieder in ihn eingespeichert werden kann.
Somit ist folgendes Denkbar: Man entwickelt ein Verfahren, nach dem das Genom eines jeden Menschen so behandelt werden kann, dass das Replikat, das „Ersatzteillager“, nicht mehr den menschlichen Verstand besitz, sondern lediglich den Intellekt eines Hundes oder der gleichen hat. Somit wäre es kein Problem diese Replikate auf verträgliche Weise in einem Zoo zu halten und bei Bedarf zu nutzen, wie es mit Schweinen zur Lebensmittelgewinnung gehandhabt wird. [Bevor der Autor als perverses, menschenverachtendes Schwein beschimpft wird, bedenkt bitte, das dies nur ein Denkansatz ist, kein Vorschlag].
Die Idee Morgans ist es jedoch, einfach „nur“ mental leere Körper zu Züchten, denen dann die Psyche quasi aus dem Regal wieder verabreicht werden kann. Der Autor könnte sich also vorstellen, einen Körper für, sagen wir, Bergsteigen zu halten, einen für den Schulsport (dieser könnte dann vielleicht Fußballspielen) und einen, welcher besonders beim anderen Geschlecht auf Gegenliebe stößt. Das wäre zumindest denkbar. Auch hätte man so das Problem nicht, dass man die Körper töten müsste, um deren Potential zur Lebenserhaltung zu nutzen.
Der Sinn der Lebenserhaltung ist also wirklich der, die Psyche zu bewahren, soweit die recht einstimmige Meinung durch die Religionen und der vieler Atheisten. Was mache ich schon noch mit meinem Körper wenn ich den Geist einer Feldmaus habe, nachdem ich jahrelang an Alzheimer verwittert bin? Oder welchen Wert hat es noch, wenn ich 20 Jahre im Koma erhalten werde nur um am Ende doch zu sterben? Um weiterhin an Morgans Ansatz festzuhalten, wäre ein Serversystem denkbar, in dem digitalisierte Menschen (also deren Psyche, um genau zu sein) in einer guten virtuellen Realität „leben“ – bzw. Zeit verbringen.
Nachdem nun die Gedankenwelt von „Altered Carbon“ weitgehend ausgeschlachtet ist, möchte ich noch einen persönlichen Gedanken zum Thema anbringen. Was würde ich machen, würde ich ewig (also nach menschlichen Maßstäben LANGE) leben können? Der Reiz liegt meiner Ansicht nach im Ausschöpfen aller Möglichkeiten. Aber dient die Möglichkeit, jedes Hobby ausprobieren zu können wirklich der Menscheit? Vermutlich wäre dies nur dann der Fall, wenn die lange Lebensspanne auch mit wachsender Erkenntniss für jeden einzigen einher geht – sehr unwahrscheinlich, denn die Verteilung des Intellektes wird sich nicht signifikant ändern. Alleine auf dieser These scheint es verständlich, dass es als Ziel für ein Individuum vielleicht verständlich wäre, aber für die Population „Mensch“ eher schädlich und unvorteilhaft wäre, länger leben zu können. Abgesehen davon, dass die Optionen wie dies durchzusetzen wäre nicht sonderlich rosig erscheinen