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Rasterschub Mutation bei der Kirche

15. Juni 2009

Ja, es handelt sich hier um die Anwendung eines biologischen Konzepts auf religiöse Strukturen. Bei der Lektüre und Analyse des dystopischen Meisterwerks „Brave New World“ von Aldous Hudxley viel mir auf, wie markant der Einfluss der verschiedenen Religionen auf unsere Gesellschaft verändert hat.
Vor ca. 350 Jahren musste sich Galileo Galilei noch vor den Strukturen der Kirche fürchten, die seine Erkenntnisse über die Natur zu unterdrücken suchten. Die Kirche bestimmte das Leben der Gesellschaft. Ehen wurden nach religiösen Maximen geführt. Scheidungen gab es legal nicht, denn Gott wollte diese nicht. Die Rechtsprechung oblag Fürsten, die sich auf eine göttliche Legitimation beriefen. Der Tagesablauf, der Arbeitsrythmus, der Jahresablauf – alles war religiös bestimmt. Es musste gebetet werden wenn die Zeit danach war, Sonntags durfte auf keinsten Fall gearbeitet werden, und Fasten war ein muss. Insgesamt war es die Religion welche diktierte, was getan wurde.
Als Charles Darwin vor 150 Jahren seine „Entstehung der Arten“ veröffentlichte, wurden Kompetenzen gerade ausgelagert. Eheschließungen wurden allmählich vom Staat übernommen. Die Rechtsprechung orientierte sich an den Maßstäben der Menschenrechte, welche in einem großen Moment unabhängig von den christlichen Wertevorstellungen, aber doch parallel zu diesen, entstanden. Die Gesellschaft löste sich von den Zwängen der Kirche welche über Jahrhunderte durch Angst vor dem endgültigen Tod durchgesetzt wurden.
Heute hat sich der Spies umgedreht. Die Fortschritte in der Gentechnik führen dazu, dass wir uns endgültig über das hinaus setzten können, was die Religionen uns als Limits unserer Menschlichkeit aufgewiesen haben. Nicht länger sind es die Wissenschaftler, welche sich vor der Kirche fürchten – es sind die Glaubenshüter, die nach Rechtfertigung suchen. Auch ordnet sich die Arbeitswoche heute nach Tarifverträgen und Gesetzesbestimmungen und der Gottesdienst wird so gelegt, dass es noch wenigstens einigen Gläubigen möglich ist diesen zu besuchen. Und ganz wie in der französischen Revolution bestehen auch heute moralische Werte ohne sich auf religiöse Werte berufen zu müssen. Menschlichkeit und Frieden sind weiter gekommen in der Zeit der Trennung von Kirche und Staat als in den Jahrhunderten vorher.
Der Einfluss der Kirche auf Wissenschaft und Gesellschaft hat sich über die Zeit stark verändert. „Damals“ musste man noch Ablass zahlen – heute hofft die Kirche dass nicht zu viele Austreten und die Kirchensteuer vielleicht noch die Hälfte der Pfarreien finanzieren kann. Parallelen sind Erkennbar zum „World State“ Huxley’s, in dem sich die Kirche nach der Gesellschaft richtet, oder noch besser, gerichtet wird. Auch wir beobachten eine Veränderung der Glaubensausrichtung parallel zu gesellschaftlichen Tendenzen. Seit 50 Jahren muss die Kirche sich wirklich die Frage stellen, ob Frauen nicht auch Priester sein sollten und diese auch heiraten dürften.
Wir harren der Dinge die da kommen und werden sehen, in wie weit Huxley recht haben wird, und ob seine abstoßenden Ideen Realität werden – im Bezug auf die Kirche hat er schon recht behalten.

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