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Ein schwarzer Tag für die Welt

17. April 2009

Und es schreitet voran:

Heute unterschrieben fünf große deutsche Provider (darunter die Telekom) einen geheimen Vertrag zur Durchführung von Sperrungen einzelner, als Kinderpornografisch bezeichneter Seiten [Quelle]. Beim künftigen Aufruf angeblich kinderpornografischer Seiten bekommen Kunden dieser Internetprovider (deren Aufgabe nichts anderes ist, als eine störungsfreie Verbindung in dieses weltweite Computernetzwerk herzustellen) eine Stopp-Seite zu sehen – hier in einer zur Zeit leicht überspitzten Form zu sehen, welche jedoch durchaus aufzeigt welche Gefahren in der Einrichtung einer solchen „Zensurstelle“ auf längere Frist bestehen (Draufklicken zum Text lesen).

Ich erspare mir hier jeglichen weiteren Kommentar zu diesem Unding und überlasse die Meinungsbildung jedem selbst. Zu sagen bleibt aus technischer Sicht lediglich noch, dass diese Sperren so wie sie realisiert werden sollen keinesfalls Wirksam sind, sondern schon durch einfache Modifikationen wie das simple Eintragen eines anderen Nameservers umgehen.

Dazu möchte ich sagen dass Kinderpornographie eine absolut grausame Sache ist, die in höchstem Maße bestraft und verhindert werden sollte. Jedoch scheint mir dies genau wie damals und immer noch der Terrorismus einfach nur ein Vorhaltegrund zur Verschärfung der Überwachungsgesetze zu sein. Das alles klingt zunächst ein wenig schwarzmalerisch, aber es ist durchaus nicht unrealistisch dass diese Zensurlisten nach einer ersten Gewöhnung des Volkes auf immer weitere Bereiche (Terroristenseiten -> illegales Filesharing -> Seiten extremer politischer Parteien -> Seiten weniger extremer Parteien -> Seiten unliebsamer Bürgerinitiativen -> Seiten der Opposition) ausgedehnt werden. Das Problem liegt nicht in der gesperrten Sache, sondern in der Zensur und der großen Gefahr des Missbrauchs dieser an sich – besonders da die Verträge nicht öffentlich und transparent sind!

Dazu eine relativ brisante Geschichte: Australien führte bereits vor ca. 1 Monat eine solche Internetzensur mit genau dem selben Hintergrund der Kinderpornografie ein. Ein paar Tage später wurde der Seite namens www.wikileaks.org (welche eigentlich geheime, und trotzdem an die Öffentlichkeit gelangte Dokumente archiviert und zur Verfügung stellt) die staatlich interne Zensurliste* zugespielt und dort veröffentlich. Dort war unteranderem sehr auffällig, dass schon eine ganze Reihe an Seiten zensiert wurden, welche nichts mit Kinderpornografie zu tun hatten. 5 Tage später fand bei dem Inhaber der deutschen wikileaks.de Domain, welche nur auf www.wikileaks.org weiterleitet eine Hausdurchsuchung wegen angeblicher Verbreitung kinderpornografischer Schriften statt [Quelle]. Der Vorwand der Hausdurchsuchung kommt irgendwie bekannt vor? Ein Schelm wer dabei böses oder sogar an politische Verfolgung denkt.

Eine andere traurige News von heute: 4 Macher von www.thepiratebay.org, einem Portal zum auffinden der zum Benutzen von der Tauschbörse BitTorrent benötigten .torrent Dateien wurden zu hohen Haft- und Geldstrafen verurteilt. Dabei bietet die Seite selbst kein urheberrechtlich geschütztes Material an, sondern vermittelt lediglich die Verbindungen, um die Formulierung aus dem Newsartikel zu übernehmen. Darüberhinaus sollte erwähnt werden, dass BitTorrent die Tauschbörse mit dem größten Anteil an legalem Traffic ist und wird häufig dazu benutzt, überlastete Server zu entlasten. Eine Quelle hab ich dafür nicht mehr, aber ich las damals etwas von ca. 50:50 legalem zu illegalem Anteil, was andere Tauschbörsen bei weitem überschreitet, wo die Anteile oft nur bei 10:90 liegen.

Die Urteilsbegründung liegt übrigens darin, dass die Betreiber wussten, dass Ihre Seite beim Tauschen von illegalem Material behilflich war. Ein Kommentator brachte einen durchaus treffenden Vergleich: Sollte man dann nicht auch die Mitarbeiter und CEOs von Rüstungsunternehmen verurteilen, weil sie wissen, dass mit Ihren Waffen Menschen getötet werden?

Aber genug der Aufregung für heute – dennoch kein Grund diese Dinge nicht weiter argwöhnisch zu beobachten

Alex

* Ich werde hier keinen Link setzen da bei einem anderen Blogger, der auf eine solche verlinkte, eine Hausdurchsuchung stattfand. Zu finden ist das Dokument unter www.wikileaks.org

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