Zum Inhalt springen

Amokprävention

13. März 2009

Schon wieder passierte eine solch schreckliche Tat mitten in Deutschland und es wurden Erinnerungen wach. Es ist schon der 3. Amoklauf in den vergangenen 7 Jahren.

Doch, und um schnell zum Punkt zu kommen möchte ich mich darauf konzentrieren, muss man sich diese Verhältnisse klar machen. Im Durchschnitt 0,5 Amokläufe pro Jahr machen auf ca. 800000 Personen pro Jahrgang (Jahre 2008, Quelle) eine Quote von 1:1600000 – Sprich einfach keine Zahl, bei der man durch symptomverhindernde Maßnahmen viel erreichen kann – da es die Belastung für die anderen 1,59 Mio Bürger einfach nicht rechtfertigt.

Natürlich kommt kurz nach solchen Taten immer großer Aktionismus auf, wobei es sich dieses Mal auf einem angenehm geringen Level hält. Das obligatorische Zeigen auf „Killerspiele“ ist meiner Meinung nach absoluter Humbug: Mindestens von mir geschätzte 50% der infragekommenden Altersgruppe hat schon einmal ein derartiges Videospiel kennengelernt, von daher ist der Versuch Killerspiele mit Amokläufen in Verbindung zu bringen ähnlich effizient wie die Korrelation von Klimawandel und Piraten. Auch Maßnahmen wie Sicherheitsschleusen an den Schulen halte ich für einen solch kleinen Promillesatz ausrastender Schüler maßlos übertrieben -> Wenn man in die Schule nicht mehr mit Waffe kommt verlagert man es eben an die Bushaltestelle.

Wie schon in meinem Artikel über den Rechtspopulismus sollte man vor allem die Ursache des Problems bekämpfen, und hier findet man vor allem zwei Typen: Extrem zurückgezogene oder extrem aggressive Menschen. Der Ansatz sollte darauf abzielen diese beiden Personengruppen zu identifizieren und entsprechend zu behandeln/integrieren – denn vor allem hier besteht auch Potential in Randgruppen wie Rechts-/Linksextremismus abzurutschen.

Also was tun? Alles auf die Lehrer schieben wäre der falsche Weg. Auch wenn man es als Schüler nicht wahrhaben möchte haben diese schon genug zu tun, als sich auch noch um eine intensive psychiologische Betreuung der Schüler zu kümmern. Außerdem muss in diesem Beruf eine gesunde Distanz gewahrt werden, um eine gewisse Objektivität gewährleisten zu können (allerdings übertreiben dies einige Lehrer aber vor allem auch Schüler).

Die Lösung findet sich meiner Meinung nach in einem charakterstarken, fest angestellten Schulpsychiologen/Seelsorger/Sozialarbeiter pro Schule, welcher wöchentlich bis zweiwöchentlich durch die Klassen rotiert und sich dort völlig unbeteilgt von der Notengebung in das soziale Leben (auch und vor allem in den Pausen) integriert, freundschaftliche Kontakte zu den Schülern aufbaut und sich auch speziell auf schwächere Personen konzentriert und diese versucht ebenfalls in die Gemeinschaft zu integrieren.

Eines der Hauptprobleme dabei ist sicherlich genügend passende Persönlichkeiten zu finden, weshalb auf jeden Fall eine hoher Lohn etwa auf dem Niveau eines Gymnasiallehrers ausgeschüttet werden sollte. Diese Personen sollte sich durch jugendlichen Elan auszeichnen, anpassungsfähig sein und menschlich interessiert. Vermutlich kann man dies am besten durch akademieartige Ausbildungen erreichen, welche nicht allzu viel Zeit (max. 1-2 Jahre) in Anspruch nimmt, damit eine möglichst große Anzahl junger Leute diesen Berufsweg einschlägt und bei später festgestellter Nichteignung noch andere Berufschancen hat.

Höchst wahrscheinlich muss man sich als Schüler zunächst an diese Vorstellung gewöhnen, jedoch sollte sich eine solche Verfahrensweise schnell eingelebt haben – und man verhindert durch diese Art der Prävention noch deutlich mehr als nur Amokläufe ohne die Freiheit und Mündigkeit anderer groß einzuschränken.

5 Kommentare Eins hinterlassen →
  1. Anton Permalink
    14. März 2009 15:02

    Hallo Alex, ich muss leider sagen, dass ich deine Ansicht etwas naiv finde, dass jede Schule seinen eigenen Sozialarbeiter hat dies ist einfach zu teuer. Wenn man sich ansieht, dass es in Deutschland 20164 weiterführende Schulen gibt.(Quelle, Statistisches Bundesamt, Fachbereich 11 Reihe 1, Bildung und Kultur, Allgemein bildende Schulen 02/03 ). Nach deinen Vorstellungen müssten also 20164 neue Sozialarbeiter eingestellt werden die wie Gymnasiallehrer bezahlt werden. Sie beginnen als Beamte mit Besoldungsgruppe A13 (2880,96 Euro pro Monat), dies macht für 20164Lehrer in einem Jahr 697.100.129,3Euro.
    Wenn man sich jetzt ansieht, dass seid 2000 „nur“ 35 Menschen bei Amokläufen in Schulen ums Leben gekommen sind, und man weiß, dass es 2006 mehr als 6000 Mord und Totschläge gab ist die Zahl von 35 auf 9 Jahre sehr gering (ca 4 Tote pro Jahr). Ich finde das man die 697.100.129,3 Euro pro Jahr nicht für 4 Menschen ausgeben darf. Viel wichtiger wäre es den Menschen eine Gesicherte Zukunft zu geben, sodass sie gar nicht erst Hoffnungslos werden und so auf eine so selbst zerstörerische Idee kommen.
    Wenn man so viele neue Personen einstellen möchte wäre es hilfreicher mehr Polizisten zu haben die zum Beispiel die Waffenbesitzer kontrollieren, so dass die Schüler aber auch andere Straftäter nicht so einfach an Waffen kommen, dies würde auch einigen der anderen 6000 ermordeten helfen.

    Im Endeffekt müssen wir als Schüler mehr aufpassen, dass wir keine Schüler Ausgrenzen oder sich die Schüler Ausgrenzen. Schließlich sind wir, die Schüler, die die am genauesten wissen wer Probleme hat oder wer sich zum Außenseiter macht oder gemacht wird. Denn wir haben es zu verantworten, dass es Menschen gibt die sich in ihrer Schule nicht wohl fühlen und so einen Hass gegen die Schule aufbauen, die dann in Gewalt umschlagen kann. Gewalt gegen Lehrer und Schüler. Wenn du viele Freunde und Spaß in der Schule hast wirst du nicht auf die Idee kommen deine Freunde zu erschießen.
    Wir können nicht hoffen, dass uns der Staat diese Aufgabe der Mitmenschlichkeit abnimmt.

    Es tut mir Leid wenn meine Rechtschreibung manchmal gewöhnungsbedürftig ist.

    • 14. März 2009 15:50

      Hallo Anton,
      morden kann man leider nicht nur mit Schusswaffen, sondern auch mit Küchenmesser und Vorschlaghammer und ein Mehr an Polizisten sind genau die symptomverhindernden Maßnahmen wie Metalldetektor am Schuleingang (ganz abgesehen davon, dass Polizei auch kostet). Der Preis ist letztendlich kein Argument: Bedenke, was zum Beispiel die Pflege von behinderten Menschen kostet (eine absolut sinnvolle Investition).
      Natürlich hast du Recht, dass es eigentlich unsere Aufgabe wäre das Ausgrenzen von Schülern zu verhindern, da dies jedoch scheinbar nicht funktioniert muss wer anders eingreifen: Wäre unsere Gesellschaft so toll bräuchte man auch keine Polizei, da keine Verbechen verübt würden.
      Und zu guter letzt würden diese Sozialarbeiter nicht nur 4 Tote Schüler pro Jahr verhindern, sondern wie gesagt auch das Abdriften dieser Leute in extreme Lager, ihre Bildung/Noten verbessern was zu besseren Berufschancen usw. führt.

      • Jannik Permalink*
        14. März 2009 19:33

        Im Allgemeinen ist die Frage nach der Prävention schwierig. Wie man an den diversen Meinungen der Kommentatoren sieht, gibt es wohl keine Patentlösung. Das definitive Verhindern solcher Taten wird schwer werden, und auch Sozialpädagogen werden wohl nicht alles auffangen können. Das Problem der Benachteiligung und Vereinsamung mancher Mitglieder unserer Sozialgemeinschaft (oder sollte man dann besser sagen: von der Sozialgemeinschaft ausgeschlossene?) ist ein Problem unserer modernen Kultur. Das heißt nicht, dass ich iPod, youtube oder ICQ abschaffen will, um nur einmal drei Aspekte zu nennen, die uns isolieren, aber es muss eine bewusste Tendenz in Richtung unserer natürlichen Bindungsliebe bestehen.

        Der Mensch ist ein Sozialtier. Versuche beweisen, dass Kinder die von Klein an nie kommuniziert haben verkümmern und evtl. sogar sterben (keine Sorge, diese Versuche stammen aus dem Mittelalter). Im Rückschluss heißt das, jemand, der zwar kommunizieren KANN, es aber nicht zur genüge tut und keine positive Rückmeldung erhält, wird mental auch Schäden davon tragen. Was ist dagegen zu tun in unserer Gesellscahft?

        Vielleicht ist nichts zu tun. Querschläger gab es immer und wird es immer geben und vielleicht ist dann der Ruf nach pragmatischen Mitteln die ausschließlich der Schadensregulierung dienen können sogar gerechtfertigt. Der Staat kann und soll nicht in unsere Köpfe gucken, wir sind frei das zu tun und zu lassen was uns wohl dünkt Daran sollte sich nichts ändern und jeder der fordert, dies solle zum wohle der vier Menschen pro Jahr (es tut mir leid das so grauenhaft quantifizieren zu müssen) geändert werden, sollte seine Position zu unserer Verfassung überdenken. Zur Kontrastierung: der US-Patriot Act, der zwar viele Fehler hat, dient trozdem dazu ein leicht höheres Maß an Sicherheit zu sichern, zum Leidwesen der pers. Freiheit vieler Amerikaner. Hierüber wird gemeckert, auch wenn das Wohl von 10000den Amerikanern auf dem Spiel stehen könnte – legislative Programme als Folge von „Highschool Shootings“ werden regelrecht gefeiert.

  2. clemens Permalink
    14. März 2009 00:13

    „[...] nicht nur der potenzielle Amokläufer liegt in dieser Gruppe, sondern ebenfalls der Terrorist oder Rechts-/Linksextreme (Bitte nicht falsch verstehen: Auch der größte Teil der genannten Gruppen führt ein normales Leben).“

    Diese Formulierung würde ich noch einmal überdenken ;)

  3. André Herrmann Permalink
    13. März 2009 19:34

    Ich bin Filmemacher und bin gerade in der Endfertigung meines neusten Kurzfilms “HALTLOS“, der durch die Ereignisse von Winnenden erschreckende Aktualität bekommen hat.

    Ich habe mich im Rahmen meines Diploms an der Bauhaus Universität Weimar mit dem Thema lange befasst. Damals hat mich der Amoklauf am Gutenberg Gymnasium in Erfurt lange beschäftigt.

    Daraus entstand das BEdürfnis das ganze filmisch zu verarbeiten. Wichtig war mir jedoch einen feinfühligen Umgang mit dem Thema zu finden und einen Film zu machen, der nicht zum Nachahmen verleitet, sondern erschreckt und betroffen macht.

    Es geht um den Amoklauf eines jungen Mannes, der seine Tat in einem Koma ähnlichen Zustand – in dem er zuerst nicht fähig ist Realität von Traum zu trennen – zu bereifen beginnt.

    Der Film zeigt dabei keine explizite Gewalt, sondern schreckt mehr durch die entsetzliche Erkenntnis des Täters, am Ende ab.

    Ich würde mich freuen, wenn die Besucher des BLOGs sich für den Film interessieren und ich damit vielleicht einen kleinen Beitrag durch meine Tätigkeit als Autor und Regisseur zum Thema einbringen kann.

    Hier die links zum trailer:


    oder

    http://vimeo.com/1524599

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

Gravatar
WordPress.com-Logo

Melde Dich bitte bei WordPress.com an, um einen Kommentar auf deinem Blog zu schreiben.

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Log Out / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Log Out / Ändern )

Verbinde mit %s

Follow

Get every new post delivered to your Inbox.